Hier kommt für euch der erste Textschnipsel zu Ava- Der Flug der Libelle- Teil 3. 

 

Viel Spaß beim Lesen ;-) 

 


Ava kauerte neben ihrem Freund und schlang die Arme um seinen Körper. Zacks gequältes Stöhnen ignorierte sie. Sie wusste, dass die Haut unter dem Shirt, an den Stellen, an denen die Stromschläge durch den Stoff gedrungen waren, empfindlich und gerötet war. Darauf konnte sie allerdings keine Rücksicht nehmen.
„Bitte sei still, sonst hören sie uns“, raunte Ava, obwohl sie bezweifelte, dass Zack sie hörte. Bei dem verzweifelten Versuch, die näherkommenden Schritte und die lauter werdenden Stimmen auszublenden, schloss sie die Augen.
Konzentrier dich. Spiram, verflixt noch mal, wo steckst du, wenn man dich braucht?
Ava runzelte die Stirn und beschwor eine Erinnerung herauf, die ihr als Anker diente.
Zack hatte ihr vor der Dark- Night- Bar gezeigt, wie es funktionierte. Eigentlich war es nicht schwer, das Unsichtbar-Ding zu wiederholen. Wären da nicht Intulus Leute, die ihnen viel zu nah gekommen waren.
Mit zitternder Hand und getrieben von der Furcht, dass ihr Vorhaben misslingen könnte, strich sie dem halb bewusstlosen jungen Tunkal flehentlich über die blasse Wange, wie er es einst bei ihr getan hatte. Ihre Lippen berührten sanft seinen Mund, sie küsste ihn nicht mit Leidenschaft, sondern voll der Liebe, die sie für ihn empfand. In ihrem Inneren regte sich die Magie, sie flutete warm durch ihre Adern, strömte durch die geweiteten Poren ihrer Haut und wandelte sich in reine Energie.
Silbrige Blitze zuckten hinter Avas zusammengepresste Lider. Langsam öffnete sie die Augen. Der Schutzschild umschloss sie beide und verbarg sie vor den Blicken der Männer, die in ihr Blickfeld gerieten.
Von den Soldaten ging eine Bedrohung aus, die nicht allein den Uniformen geschuldet war, noch den kalten Augen, die jeden Winkel des Innenhofs ausspähten.
Ava fühlte, wie sich Zack neben ihr bewegte. Er tastete nach ihrer Hand, die sie instinktiv umklammerte. Ava starrte abwechselnd auf die Stiefelspitze, die sich nur wenige Zentimeter vor dem Rand ihres Schutzschildes befand und auf den eintätowierten Schlangenkopf auf der Haut des Tunkal, der unter dem Hosensaum hervorlugte, wann immer sich der Mann bewegte. Sie wusste, was die Tätowierung für eine Bedeutung hatte.
Intulus Offizier schaute über sie hinweg, und anschließend zum Hintereingang des Zentrums hinüber. Alle anderen aus seiner Truppe waren bereits im Innern des Gebäudes verschwunden.
Warum hielt sich dieser Tunkal länger als nötig gewesen wäre, im Innenhof auf? Suchte er etwas oder jemand Bestimmten? Woher wusste er, dass hier vor Kurzem ein Battle stattgefunden hatte, obwohl Ava davon erst in letzter Minute erfahren hatte?
Sie zog den Kopf ein, und presste die freie Hand auf den Mund, der sich zu einem Schrei geöffnet hatte. Sie stand kurz davor die Nerven zu verlieren und das wirkte sich auf den Schutzschild aus. Aus den Augenwinkeln hatte sie einen schmalen Riss im silbernen Gewebe entdeckt, der sich langsam vergrößerte. Direkt vor ihr, zitterten die ineinander verwobenen Fäden, winzige Löcher durchzogen den Schild. Nur ein zufälliger Windstoß, oder die Berührung einer Stiefelspitze und ihre einzige, wenn auch hauchdünne Chance, Intulus Zugriff zu entgehen, wäre dahin.
Ava musste etwas tun, um den Offizier abzulenken, fieberhaft überlegte sie, wie sie das bewerkstelligen könnte, als eine türkisfarbene Libelle in ihr Blickfeld geriet.